Leserbriefe

Weil es sich beim Heilsgauer Boten ja um eine Publikation handelt, die sich durchaus auch ihrer Leserschaft verpflichtet fühlt, wollen wir dies nicht nur beim nimmermüden Einsatz für ein wenig südliche Lebensqulität im märkischen Sand belassen, nein, wir möchten unserer werten Leserschaft auch die Möglichkeit geben, sich aktiv mit uns und unserer Publikation auseinander zu setzen.

Von dieser Möglichkeit wurde bereits bei der ersten Ausgabe des Heilsgauer Boten 1872 rege Gebrauch gemacht, zum Teil sogar von derart illustren Persönlichkeiten ihrer Zeit, dass wir uns schämen würden, würden wir sie Ihnen vorenthalten. So sind Sie auch nur einen Klick hier davon entfernt.

Exemplarisch möchten wir an dieser Stelle drei (tatsächlich echte und in dieser Form bei uns eingegangene! Wir mussten uns nicht schon wieder welche ausdenken!) Leserbriefe vorstellen, die uns zur ersten Ausgabe erreichten und Sie auf diesem Wege animieren, uns Ihre Meinung kundzutun.

Aus den Untiefen des tatsächlichen Heilsgaus, von den idyllischen Höhenzügen der schwäbischen Alb, aus dem Omphalos schwäbischer Hülenidylle, dem unvergleichlichen Zainingen, erreichte uns jüngst elektropostalisch von Herrn Christoph S. ( via leserbriefe@heilsgauer-bote.de) dies unverfälscht gereimte Zeugnis erfrischender Anerkennung:

Do rond’r vom Heilsgau

- potzdond’r! – kommt sHeil gao

ond said: auf dui gail Sau*)

däffsch de gar-et eilao;

dagega en Saulgau

do keedasch an Gaul hao;

ond soddasch em Schdao schdao:

da Karra et auslao,

weil nochhe beim Alao

do keed-r d’r ausgao…

Etzt wenn I des Heil hao

vo droba vom Heilsgao,

ond schnell wia-en Bfeil sau,

ond edd iibr d-Schdreng hao

(beim Femfe-g’rad-sai-lao),

ond sHolz midd’m Beil hao.

ond Maulaffa foil hao:

no fend I des gail, howgh!**)

 *) hier ist keine bestimmte Person sondern vielmehr die moralische Gefährdung als solche im Moloch einer heilsgaufernen Großstadt gemeint
**) dieses ist ein indianischer Anglizismus und gehört entsprechend ausgesprochen (dann passt auch der Reim!)

 

Ebenfalls aus dem Heilsgau, wenngleich deutlich unter 800m ü.NN. erreichte uns diese elektropostalische Zuschrift von Frau Pia B., einer exilschwäbischen Exilberlinerin, deren Rührung uns doch auch selbst zutiefst rührte:

lieber herr schüz,
 
tränen.
nein.
nass.
 
kühlendes nass netzte meine bluse,
(und machte sie für fremde blicke durchsichtig an stellen, die mir nicht lieb sein konnten)
und ein lautes pling erklang in meinem ohr.
es war der erste metallene reifen der sprang als mein herz zu schlagen begann,
das herz eines ehemaligen exilschwaben,
eines ehemaligen berlin-brandenburgischen,
um präzise zu sein.
 
sturzbäche.
es waren dann am ende doch sturzbäche,
die sich ihren weg durch die lachfalten zu bahnen begannen,
während ich ihre wohlgeschliffenen zeilen las.
 
endlich.
das zweite pling,
als meine rührung oberhand gewann,
das gefühl,
die liebe zur intellektualität ihrer worte.
 
und schließlich, 
der dritte reifen wollte springen,
als mir der blick auf die fotogalerie vergönnt war.
so, genau so wollen wir die jugend der republik sehen,
so werden revolutionen eingeläutet,
so werden wir die kehrtwende schaffen,
so wird es, wenn nicht aufwärts gehn, so wenigstens erheiternd sein.
 
ich danke ihnen.
und würde mich nicht der noch zu gebärende sohnemann an
den verneigungen gen norden hindern:
ich würd es tun.
 
seien sie herzlich bedankt,
herr schüz,
herzlich!
 
ihre agnes pia blessing

 

Herr Sirén aus B. bzw. F. ließ uns folgendes Schreiben per E-Mail zukommen:

Sehr geehrte Redaktion des hb!

Als begeisterter Abonnent habe ich mit Entzücken die erste Nummer Ihres Quartalsblattes gelesen.

Ich bin mit Blättern ähnlicher Art schon häufig in Berührung gekommen, da auch ich ein Exilant, nämlich meiner schönen finnischen Heimat, bin, aber diesen Humor und diese sprachliche Brillanz habe z.B. im "Nuoriso-Info" nie angetroffen!

Gruß Jaakko Sirén

 

Sehr geehrter Herr Sirén!

Wärmstens möchten wir Sie in unserem kleinen Kreis von glücklichen Exilanten Willkommen!! heißen! Mit Freude nehmen wir zur Kenntnis, dass das immerhin doch einigen Leuten (uns zwar nicht, aber egal) bekannte Blatt „Nuoriso-Info“ nicht an unsere Fähigkeiten heranreicht. Das mag zum einen daran liegen, dass eben Blätter dieser Art doch mehr den Schwerpunkt auf finnische als auf schwäbische Exilanten legen, einfach auch mit Hinblick auf die Absatzzahlen, da die Gruppe schwäbischer Exilanten aus Finnland selbst in Berlin recht klein ist. Zum anderen kann ein wie auch immer monetär ausgerichtetes Magazin es sich einfach nicht leisten, derart unverschämt auf verschiedenen Randgruppen herumzuhacken wie wir das tun.

Wir prosten ihnen aus unserem kleinen, gemütlichen Eckchen aufs Herzlichste zu und verbleiben in inniger Verbundenheit, mit freundlichen Grüßen,

ihre Redaktion.

 

Eine etwas kritischere Stimme, die uns ebenfalls via E-Mail erreichte, bzw. einen einzelnen Redakteur, möchten wir auch nicht verschweigen:

mein kleiner kotfresser!

vielen dank für die lieben und zahlreichen worte, da geht einem mehr als nur das herz auf, ja da weiten sich die arterien im hals und das blut schießt aus dem geschlecht in die rechte faust um , ja wärst du in meiner nähe, dir damit mal richtig zärtlich übers abgestorbene haupthaar zu streicheln. ich mag dich auch!

witzigkeit kennt keine grenzen, jedoch, und das ziemlich eindeutig, die bereitschaft für liderkiche pseudohumoristengesabbel mein sauergeschenktes geld auszugeben. heilsgauer bote? das ist ja schon nicht mehr als lachnummer zu bezeichnen, eine zeitschrift, die upflamör mit "H" schreibt entzieht sich selbst jeder wertung durch leute mit verstand. was lese ich weiter? Teilweise amüsantes gesabbel, teilweise nicht verständliches -oder nur insidern eurer gemeinsamen hirnkrankheiten verstehbare- grütze, man hofft, das das unterlassen des "t"s im briefwechsel von heidegger und hasenscharto auf seinen sprachfehler anspielt, aber nein, ein nur allzu plumpes witzelein /so zart und feyn/. da ist es ja ein richtiger geistiger orgasmus. liest man das einem schon bekannte stück in drei akten von jonathan schüz und den im heimatliche dialekte verfassten artikel (herrlich). kann sein , dass ich mich täusche, aber wird unter dem begriff "minne" auch die dame bezeichnet , dero mann minnt? fragen über fragen, aber fürs scheißhaus ein guter zeitvertreib, nach dem motto scheich und scheich gesellt sich gern - oder einfach nur einen leiben kleine brief von dir, welcher weit mehr an witzigkeit enthält als tausendzwölfzehn zeilen eurer ausgabe. besser machen statt rumkritisieren, wirst du wohl einwerfen – nein danke, ich stelle mich doch nicht mit meinem niedrigsten schöler (du) und seinen lakaien auf dieselbe stufe. nein, das nicht.

so sie dennoch gegrüßt,

dein chef

 

Sehr geehrter Herr W. (stud phil et gym)!

Wir waren etwas enttäuscht, als wir ihr Schreiben zur Kenntnis nahmen. Hat ihnen unser Produkt nicht gefallen? Aber wir möchten uns dennoch herzlich bedanken, zum einen über die Korrektur betreffs „Upflamör“ (siehe auch den Vermerk im Kommentar), zum anderen über das ein oder andere Lob, das in ihrem Erguss doch versteckt sein mag. Auch die Kritik, die aus ihren Worten spricht, ist uns wichtig. Dazu möchten wir folgendermaßen Stellung beziehen:

Du saublödes Arschloch! Hast Du überhaupt eine Ahnung, was das für eine Arbeit ist, so ein Heft rauszubringen? Du kannst echt froh sein, dass Du Sausack in Freiburg sitzt, wenn Du hier in Berlin wärst, dann würde ich ja vorbeikommen und dir so aber hallo mal die Fresse polieren, dass Du mit deinen Zähnen im Arsch Klavier spielen kannst. Aber nicht mal das kannst Du Versager richtig! Dann sitz doch rum und schreibe deine hirnkranke Zulassungsarbeit in Schulsport, dieses verfluchte Machwerk, für das Arschkriecher und Schrittfische deines Kalibers wohl wirklich das Examen verliehen bekommen! Das Ding will eh keiner lesen! Und dich mag keiner! Vor allem wir nicht! Leck uns doch mal alle kollektiv am Arsch!

Fick dich!

Mit freundlichen Grüßen,

Die Redaktion.

PS: „Minne“ kann durchaus auch für den „Gegenstand der Liebe“ stehen, also für die „Geliebte (in der Anrede); in der Kindersprache [auch] die Mutter“ (Vgl. Lexer, Matthias. Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch. Mit den Nachträgen von Ulrich Pretzel. 38., unveränderte Auflage, Stuttgart: 1992; S. 140). Vgl. dazu auch hohe und niedere Minne, Fernminne, Herrschaftsminne, Neue Hohe Minne (Walther), Gattungsspezifische Minnekonzeptionen etc. pp.

 

Die Redaktion möchte sich an dieser Stelle für den etwas ausfallenden zweiten Brief entschuldigen. Er sei jedoch Zeugnis dafür, dass wir tatsächlich alle Leserbriefe abdrucken, dann und wann sogar auf orthographische und lexikalisch-grammatische Verbesserungen verzichten, wenn es denn nur den Sausack diskreditiert, der uns derart liederliche Briefe zukommen lässt (in diesem Falle also den Verfasser des zweiten Schreibens, der nicht, wie der Verfasser des ersten, zu unser emsig gepflegten kleinen erlesenen Runde von Abonnenten zählt.

Wir möchten auch Sie an dieser Stelle wieder dazu einladen, uns ihre Leseeindrücke zu schildern, datenelektronisch via leserbriefe@heilsgauer-bote.de oder sonst wie auf anderen Wegen und auch sie dazu werben, ein Abonnent dieser Zeitung zu werden, die in ihrer Art doch immerhin etwas ganz Besonderes darstellt, unsre Grinder/ gar nicht minder. Dankeschön.

 

Historische Leserbriefe zur Erstausgabe 1872

Aus den Tiefen des Heilsgaus, der mittleren Alb nämlich, erreichte die Redaktion diese begeisterte Zuschrift, deren Charme sich am besten im Original ohne Untertitel erschließt. Für multimedial begeisterte Leser konnten wir im ethnologischen Staatsarchiv in Stuttgart sogar eine Edisonwalze auftreiben, auf der Herr Gekeler seiner Begeisterung freien Lauf lässt. Hören Sie dieses erschütternde Tondokument unverfälscht authentischer Freude hier.

S’godd,

eds haune miaßa doch gau au amool ebbas saa zu uichram Bläddle. Sischdmr a bais Bläsir gweah, mone sell Tseidang hau läasa däffa.

Etz abr weilse bloß ell ander Kwardaal außegäa wuud, haune deegt, i miaß eischt räachd aidoila, no haune abr deffa mrga, dammas au guad ko schdugger zwua odr druimol läasa. Haus au schau mid maira Alda selbzwoid wella agugga, abr sui vrschdoht halt ällaweil au gaedd. Sui said hald oll kaar mr sodd gau au no an Grätta Spächl dr Gräach auffeloddra. Sischmr hald edd vrgonnt, ebbas grad fr Baasleddo zdont.

Janno, Weibr send halt a Lombaziffr. Uich abr wille saa, swär grad reachd wenndr so ohnemacha kechdad.

Godd befoola,

Johann Gottlob Gekeler, Bierhaus Gramminga. 

 

 

Stuttgart, den 15. 11. anno 1872

Seid ihr denn wahnsinnig?

Man verzeihe mit bitte meinen harschen Umgangston, aber der ewige Luftzug, der hier zwischen Fensterrahmen und Fenster trotz weiß Gott eifrig unternommenen Versuchen meinerseits eben zur beginnenden Winterszeit stets seinen Weg findet, hat mir ein weiteres Mal eine unangenehme Erkältung eingebracht, ich werde mir wohl demnächst noch die Füße zum Halse heraus husten. Eigentlich wäre das Darüberstehen eine der angemessenen Reaktionen darauf, je nun! Wer von jenem Idealwerte durchdrungen ist und dennoch geduldig bleibt: gut, recht, er soll ein Engel sein. 

Aber: Entspricht das dem Willen der Götter? Ist dies der Schöpfungsplan? Habe ich wegen so etwas lange Zeit in dieser unsäglich klammen Kirche in Frankfurt gesessen und langweiligen und lauwarmen Reden gelauscht? Ist dies die Welt, für die der Herr Jesus sein Leben und sein Blut gab? Nein! o Nein, sicherlich nicht!!

Denn dieser unsägliche Erkältungsanfall, diese Geisel der Götter, dieser vermaledeite Pfnüssel und Katarrh gebührt euch Simpeln und Einfallspinseln! Es mag zwar eine unterhaltsame Idee sein, von der älblerischen Hochfläche herab und aus den davon eingeklemmten Tälern heraus einen Boten in die Welt zu schicken, gerade in Zürich hätte ich einer solchen Zeitverkürzung sicherlich bedurft, aber hier steht die Sache etwas anders. Dennoch: Dafür keinen Tadel von mir. Gehet nur hin und zeiget der Welt, was für ein Völkchen wir Schwaben sind, magna cum diligentia aber, ach, nur zu oft sine ira et studio. Jedoch der Grund für meine Ungehaltsamkeit.

Ich, heimkommend von einem meiner Kritischen Gänge, freue mich auf eine warme Mahlzeit. Aber auch diese Aussicht vermag nicht, den Schleier der Trauer vor meine Augen zu vertreiben. Denn an diesem Tage, also dem 13. des Novembers, vor genau zwölf Jahren, verblich ein Freund, als wär’s ein Stück von mir. Und ihr Armen im Geiste veröffentlicht an diesem Tage  euer Blatt. Ist euch der Tod dieses Freundes, Uhlands also, kein Begriff? Hat er denn umsonst gelebt und gesungen (letzteres allerdings nur im privateren Kreise nach einigen Getränken, das war auch die bessere Idee). Ist euch nichts heilig, nicht einmal dieser der Größten einer? Et tu, Brute? Then fall, Caesar ! Selbst die Schwaben unter sich vergessen bereits ihre Geburts- und Todestage! Miserere nobis! Wäre ich der Tatsache sicher, dass einer von euch einen Schnupfen hätte, wäre ich milder gestimmt, denn man soll nachsichtig sein gegen den, der Schnupfen oder gar Grippe hat, das ist etwas anderes, da hört die Freiheit in jedem Sinn auf. Aber es hatte wohl keiner einen! O ihr elenden undialektischen Köpfe, der arme Gast zahlt die Zeche nach mit Elend! O Elend! –  ’s fängt schon an, beißt in der Nase, ich spür’s. O großer Buchbinder Weltgeist, warum hast Du mich zu fein eingebunden! – In dieser Welt braucht’s Schweineleder!

Dennoch: Vitam, non  mortem recogita! Ich lasse generell lieber meinen Zorn an Schubladen, Töpfen, Hemdknöpfen und dergleichen aus. So gestehe ich, das ich doch das eine oder andere Mal in meinen beachtlichen Rauschebart, der immer wieder beim Entzünden einer kleinen Pfeife kollegial in Flammen aufzugehen pflegt, hineinlachen musste. Beim Lesen dieser Depesche wäre wohl selbst dem lieben Ludwig sein sängerverfluchter Ton vergangen, dessen bin ich mir sicher, auch die Frage, ob denn im Schwabenlande jeglicher Gesang verscholl, hat sich beantwortet. Hoho! Und auch Keller würde nicht halb so betulich seine Novellchen verfassen, nein, er würde sich kürzer fassen, wäre ihm bewusst, dass sich hier erstmalig nach Carl Borromäus Weitzmann, der Munderkinger Nachtigall, die zu lesen jedoch kaum ein Vergnügen ist, lautstark das schöne Schwaben zu Wort meldet. Bravo! Weiter so! Das soll der alte Gimpel erst einmal nachmachen! Nur: Wenn dieser Bote noch ein weiteres Mal am 13. 11. erscheinen sollte, dann werde ich unter Aufbietung sämtlicher mit verbliebenen Hebräischkenntnisse alle Teufel und Geister der Kabbala auf eure grindigen Häupter herunterbeschwören. Wartet nur darauf!

Ave atque vale!

Friedrich Theodor Vischer.

 

leserbrief vom 12.9.1878 auf die besprechung und ankündigung des bühnenstücks: der schwule schwabe

verwirrung und wilder wahn besatzten meine sehnenden sinne, da ich hold und hehr höhrte (- wozu' s mich gar nach einem geräte giert -) es dräue dem deutschen demutsvoll ein deftiges drama des tadellosen teuren titels: der schwule schwabe. na, das nenn ich nun mal ein merkwürdig und meisterhaft ding! denn ich muß itzo irrlos gestehen, daß ich in jungen jahren jach mich ans werke setzte, ein farbiges, fehlfreies stück recht fleißig zu verfassen, welches den wonnigen namen waltete: der schwule schwede, des lieben schwanes schwesterlicher bruder. doch zu meinem entsetzen fand ich ein freisliches fehl, da der sterbende schwan dem lieben sein vetter in wahrheit aber des schwanschweden viel zu schwüles schwippschwagerchen verschwundenermaßen zum verschworenen neffen schwoll. mein lieber scholli! dacht ich, und ließ das ledige stück lässig liegen. gar vergaß ich das ganze geschmeiß, doch nach tristans tristesse erinnerte ich mich trauervoll des stückes stoffe, das stümperhaft in starre verstaubte. da nahm ich's wieder heraus, das harmvoll und huldlos in der schublade schmachtete. ich arbeitete das arglose ahndungsvoll um, von nun an nannte ich's nämlich: der schwule schweizer. doch was blieb mir biederm bürger andres übrig als auch hier mein sehrend versehrtes versagen zu gestehen. gründlich und gänzlich gab ich's auf und warf's geifernd in die gosse.

aber dies neue stück, der schwule schwabe, ist was ich ohne gelingen versucht - o es bringt mich zum schwelgen und schwärmen, der schwung des schwäbiscchen schwanks, die schwenkung der schwülstigen schwinge, der schwäbelnde schwur der schwerelosigkeit, das schweifende schwafeln angesichts des schwärzlichen schwieligen verschwitzten schweins schwadronieren schwülschwesterliches schwefelgeschwister schwierig geschweißt schwillt der schwund schwatzhaft, von schwitters belebt schwebend empor, in schwindelnde höhe, bis er schwach und schwummrig den gipfel des beschwipsten schwachsinns ereicht: die schwalbenhode.

 

richard wagner

 

Werte – immer mal wieder – Redaktion,

angelegentlich der – doch nun immerhin – Lektüre des Stiftungsexemplars Ihres – freilich denn also – geschätzten Blattes, dessen ich – demnach denn wohl – in der mich als Mitgliede führenden Gesellschaft für Gemeinsinn ansichtig ward, komme ich  - jetzt nunmehr – nicht umhin – meine Anerkennung für Ihr untadeliges Unterfangen auszusprechen.

Ihr Organ ist, eingedenk der vorwaltenden Verderbtheit gerade – traun fürwahr! – der hiesigen Jugend, wahrlich recht brav. Sobeschaffene, sittlicher Entwertung Anheimgegebene werden – gewiß nun freilich – Ihrem Blatte die verdiente Stellung in der dichterischen Landschaft – wahrscheinlich doch – niemals zuerkennen.

Ich aber rufe Ihnen – vorwärts denn also – zu: Hut ab vor solchem Blatte! Machen Sie – aufgemerkt nun also – eitel so weiter. Da würde denn – wohlan – noch mancher sich, gleich meiner, zum Lobe entschließen.

Mit vorzüglichster Hochachtung

Professor Raat, Lübeck

 

An die Redaktion des sog. Heilsgauer Boten!

Sie hatten die Güte, mir unaufgefordert ein Freiexemplar Ihres Machwerks zu übersenden, da Sie sich erdreisten, mein Papier zu verwenden. Gemeinsam mit führenden Persönlichkeiten der Netziger Bürgerschaft, bescheide ich Ihnen wie folgt:

Mit Abscheu haben wir Ihr von Ihrem Blatt Kenntnis genommen. Sie leisten mit Ihrem freisinnigen Treiben dem Umsturz Vorschub. Es ist wahrlich nicht die Stunde für derartige Frivolitäten. Da scherzen verkrachte Abiturienten mit den heiligsten Gütern, gesitiger Dünkel trieft aus jeder Zeile. Merken Sie sich das Eine: Sachlich sein heißt Deutsch sein!

Sie sollen aber wissen: Verzichtlertum wird nicht geduldet! Wir lassen uns von Ihrem Freisinn in unserer Kaisertreue nicht erschüttern. Unser herrlicher junger Kaiser sind die persönlichste Persönlichkeit, sind impulsiv, ein origineller Denker, ja, gleich Hamurabi, ein Werkzeug Gottes.

Vaterlandslose Gesellen wie Sie zerschmettern wir, Elementen wie Ihnen fehlt jegliches Bekenntnis zum positiven Christentum. Die Demokratie nämlich, ist die Weltanschauung der Halbgebildeten.

Wir haben nicht jahrelang einer hochfeinen Verbindung angehört, um ein derartiges Blatt, das jede brauchbare Gesinnung vermissen läßt, unser Netziger Papier beschmutzen zu lassen. Sie kennen nicht den freudigen Blutverlust zur Ehre der Farben, ihnen gebricht es an kommentgemäßen Betragen. 

Darum verbitten wir uns ganz energisch jede weitere Verwendung unseres Papieres.

Eine im Ratskeller zu Netzig tagende Versammlung national und christlich gesinnter Männer.

Gez. Diederich Heßling.